Lateinische Sprachrelikte im bayerischen Dialekt

Leserbrief im EK vom 04.02.20

Ur-Bayerisch ist keine Variante der deutschen Sprache, sondern Latein.

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  • Ur-Bairisch ist Latein
    Zum Artikel "Ein Jahrhundertprojekt" (Ausgabe vom 17. Januar):
    Seit 2011 ist das Internet Wörterbuch boari.de, das sich mit keltischen und lateinischen Sprachrelikten im bairischen Dialekt beschäftigt, im Netz vertreten und wird kontinuierlich weiter ausgebaut. Mein Resüme: Die Kelten sind wieder da, die Römer waren nie weg und die Germanen haben archäologisch gesehen das Altmühltal nie erreicht. Demzufolge ist Ur-Bairisch keine Variante der deutschen Sprache, sondern Latein. Während der Duden zum Beispiel "taumelt" sagt der Eichstätter "damisch" oder "gscheid damisch", von "damnum" und "miscere".
    Eichstätt ist der Hauptsitz der Katholischen Universität (KU), und es sollte für die Lehrstühle, Professoren und Wissenschaftler ein Leichtes sein, germanische Wurzeln oder lateinische Herkunft der Wörter zu unterscheiden. Hinzu kommt, dass die Wissenschaftler der KU derzeit das Projekt Wissensarena durchführen. Der Sieger des Kampfes Kelten und Römer contra Germanen darf die Arena erhobenen Hauptes verlassen.
    Rupert Stadler Eichstätt
  • EK 10.02.20 Nicht vollig korrekt
    Zum Leserbrief "Ur-Bairisch ist Latein" (Ausgabe vom 4. Februar): Der Schreiber des Leserbriefs behauptet "Ur-Bairisch ist keine Variante der deutschen Sprache, sondern Latein." Das scheint ja nicht völlig korrekt zu sein. Nachdem die Römer sich im Zeitraum um Christi Geburt große Teile des heutigen Bayern in ihr Weltreich einverleibt hatten, lebten die Besatzer mit der keltisch-germanischen Bevölkerung bis zum Abzug der Truppen im 5. Jahrhundert mehr oder weniger friedlich Tür an Tür. Dabei ergaben sich mit der Zeit natürlich enge Kontakte, die auch den Austausch der Sprache mit sich brachten. Es gab also vor Ort notwendigerweise eine Sprache vor den Römern.
    Wie der Schweizer Dialektologe Franz Joseph Stalder, behandelt auch der Germanist und bayerische Sprachforscher Andreas Schmeller diesen Dialekt als ein in sich geschlossenes Sprachsystem, das sich im Lauf der Jahrhunderte als die eigentliche Volkssprache entwickelt hat - und zwar konsequent und bruchlos aus dem Alt- und Mittelhochdeutschen. Die Latinismen kamen dazu.
    Paul Schönhuber Ingolstadt