Wörterbuch
Gambrod
  • Quelle Prof. em Dr. A. Bammesberger EK 17.03.12: .. Hinsichtlich des Gambrotes geht es nicht um "Brot", sondern um eine Art Mahlzeit.
    "Gambrot" und "Odlstange"
    Eichstätt (buk) Nur noch sehr alte Eichstätter dürften sich daran erinnern, diese beiden Begriffe in ihrer Kindheit gehört zu haben – inzwischen sind sie nämlich ausgestorben: das „Gambrot“ und die „Odlstange“. Doch der pensionierte Eichstätter Lehrer Konrad Kögler kannte die Begriffe noch und machte den Eichstätter Sprachforscher Professor Alfred Bammesberger darauf aufmerksam, woraufhin dieser der Sache nachging.
    Das Resultat seiner Studien ist dieser Tage als Aufsatz erschienen.
    Was es mit „Gambrot“ und „Odlstange“ auf sich hat, kann man nun in der soeben erschienenen jüngsten Ausgabe der Zeitschrift „Literatur in Bayern“, der Doppel-Nummer 105/106 von März 2012, nachlesen: Darin behandelt Bammesberger die beiden „sprachlichen Relikte im Dialekt des Eichstätter Umlands“, so der Untertitel seines Aufsatzes. Unter „Gambrot“ verstand man einst eine Brotzeit, als „Odlstangen galten über den Bauernöfen an der Decke befestigte Stangen, an denen Wäsche zum Trocknen aufgehängt wurde“. Die Wörter sind „im Zuge der veränderten Lebensumstände außer Gebrauch gekommen, man hat keine Verwendung mehr für die Begriffe“.
    Da es sich um Zusammensetzungen, jedoch „undurchsichtig gewordene Komposita“ handelt, deren Zweitelemente unzweifelhaft „Brot“ und „Stange“ sind, machte sich der Eichstätter Emeritus für Englische und Vergleichende Sprachwissenschaft daran, die beiden Erstelemente „Gam-“ und „Odl-“ zu identifizieren. Dabei wurde er tatsächlich fündig.
    Hinsichtlich des „Gambrotes“ gehe es nicht um „Brot“, sondern um eine Art Mahlzeit, wie die Parallele zum norddeutschen „Abendbrot“, womit stets das „Abendessen“ gemeint ist, zeige; auch im Wort „Brotzeit“ bedeute das „Brot“ einen Imbiss. Wegen lautgeschichtlicher Gesetzmäßigkeiten in bayerischen Dialekten könne man wahrscheinlich den Begriff Gam- auf althochdeutsch „goum-“ zurückführen. Tatsächlich gebe es ein althochdeutsches Substantiv „gouma“ mit der Bedeutung „Essen, Mahl, Mahlzeit, Imbiss, Frühstück, Festmahl, Speise, Nahrung, Speisung, Fütterung, Genuss, Freude“. Bammesberger erschließt daraus das althochdeutsche Kompositum „gaumbrot“: Dieses könnte „etwa das Essen bezeichnet haben, das zum Beispiel die Hirten mit auf die Weide nehmen“.
    Im Begriff „Odlstange“ sei auszuschließen, dass das Erstelement seiner Herkunft nach mit Odel, dem Wort für „Jauche“, zu verbinden sei – „eine derartige Verknüpfung gäbe keinerlei Sinn“. Eher sei zu prüfen, ob ein Zusammenhang mit einem Wort im Bedeutungsbereich von „Ofen, Herd, Feuer“ bestehe. In der Tat: Ein semantisch passendes Substantiv liegt in dem althochdeutschen Wort „eit“ („Feuer, Feuerstätte, Scheiterhaufen“) vor, das aber schon im Hochmittelalter ausstarb. Im Eichstätter Dialekt könnte „das Wort Spuren hinterlassen“ haben: Dazu müsse man freilich wissen, dass Wörter mit dem häufig auftretenden Diphthong „ei“, etwa althochdeutsch „stein, zwei, geiss, leitar (Leiter)“ im Oberbairischen als „stoa, zwoa, goass, loata“ gesprochen werden und im Eichstätter Raum als „stoi, zwoi, goiss, loida“ erscheinen. Eine Verkleinerungsform des Begriffes „eit“ könnte in Eichstätt einst als „oidl“ gesprochen worden sein, was später aber nicht mehr als eigenes Wort für „Feuer, Herd“ verstanden werden konnte, weshalb der einst wohl gebräuchliche Begriff „Oidlstange“ (als Name für Stangen zum Wäschetrocknen um den Ofen) zur „Odelstange“ uminterpretiert wurde – ein Fall von „Volksetymologie“.
    Bammesbergers Fazit: Wenn seine Schlüsse stimmig sind – dann lasse sich in den einstigen Eichstätter Dialektbegriffen „Gambrot“ und „Odlstange“ ein „Sprachgut von beträchtlichem Alter erkennen: Es reicht nämlich weit in die Zeit vor der ersten Jahrtausendwende zurück!
  • Wohl eher von ganeo = Schlemmer, Prasser; gumia = Schlemmer und obrodo = benagen; Gamus = Hochzeit

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