Lateinische Sprachrelikte im bayerischen Dialekt

Flurnamen

Ur-Bayerisch ist keine Variante der deutschen Sprache, sondern Latein.

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  • Hinweis ... es gibt keine "alten" Berge und auch keine neuen Berge
  • Querverweis, siehe dazu auch Altenberg unter Ortsnamen
  • Altheilige Orte und Spuren altheidnischer Verehrung der Göttin Holle oder Hulle im oberen Vogelsberge

    Ein Beitrag zur Siedlungsgeschichte unserer Heimat von H. Zinn, Pfarrer in Pfungstadt
    Pfungstadt 1926 / Selbstverlag des Verfassers

    Die früher allgemeine Annahme, daß der obere Vogelsberg, insbesondere der Strich von Laubach und Grünberg bis Herbstein, in vorgeschichtlicher Zeit noch keine festen Ansiedlungen gehabt habe, ist durch archäologische Funde und Forschungen der neueren Zeit endgültig widerlegt worden. So wurden prähistorische Siedlungen, Brandgräber, Stein- und Erdhügel, Reihengräber und altheidnische Kult- und Opferplätze rings um das Zentrum und auf dem Ostplateau des Vogelsberges festgestellt bei Schotten, Altenschlirf, Herbstein, Ulrichstein, Dirlammen, Meiches, Köddingen und an anderen Orten. Insbesondere die Zahl, Größe und Anordnung der Grabhügel und Reihengräber und die darin vorgefundenen Gegenstände nötigen zu der Annahme, daß dort in der Bronzezeit sich in geringen Abständen zahlreiche Siedlungen, Einzelhöfe und Dorfschaften,vorfanden. Aber auch das eigentliche Oberwaldgebiet hat zweifellos in der Bronzezeit seine festen Siedlungen gehabt. Als Beweismittel liegen vor mir auf meinem Schreibtische zwei massive bronzene Armringe von beträchtlichem Gewicht und ein bronzener Halsring, welche mit eingravierten und, was den Halsring angeht, mit erhabenen Kringeln verziert sind, die in Gruppen von je drei und vier die Ringe umgeben. Sie fand, wie ich zufällig erfuhr, ein Bauer von Kölzenhain zwischen Kölzenhain und dem Petershainer Hof, also im Zentrum des Vogelsberges bei Ulrichstein und der Feldkrückerhöhe, mit Topfscherben und Branderde beim Wegräumen eines alten, länglichen Steinhügels. Es sollen viele solcher Hügel ehemals dort gewesen sein. Die gemachten Funde seien in Unkenntnis verschleudert und zerstört worden. Im zerstören altehrwürdiger Dokumente der Vorzeit ist der Unverstand von jeher groß gewesen. Als vor längeren Jahren in meiner ehemaligen Filialgemeinde Lanzenhain ein Bauer von seinem am Ellersberge, in der Nähe der ausgegangenen Ortschaft Ellrichs, gelegenen Grundstücke mir einen interessanten alten Stein holen wollte, den er tags zuvor dort in der Erde fand und den ich nach seiner Beschreibung als uralte Handmühle erkannte, konnte er mir nur noch die Bruchstücke eines wirklichen alten Mahlsteines bringen, der dadurch interessant war, daß er einen gebogenen und scharfkantigen Rücken hatte, also nur durch Einstecken in die Erde benutzbar war. Ein Weidjunge, der den merkwürdigen Stein inzwischen hatte liegen sehen, wußte nichts Besseres zu tun, als daran seine Kraft zu erproben und ihn zu zerschlagen. Wie viele wertvolle, unersetzliche Urkunden vorgeschichtlicher Zeit mögen so je und je von rohem Unverstand vernichtet worden sein, und wie viele mögen noch in der Erde ruhen! Aber wer Augen dafür hat, kann noch manches finden. So fand ein alter, von mir für Altertümer interessierter Mann aus Lanzenhain beim Viehhüten am Geißelstein in einem Wassergraben ein von Menschenhand bearbeitetes feuersteinartiges Steinchen, das ich als eine behauene, nicht geschliffene, also aus der älteren Steinzeit stammende Pfeilspitze erkannte. Dieser Fund, den auch seinerzeit Herr Professor Anther als echt erkannte, ist interessant wegen des Ortes wo er sich fand. Der Fund an diesem Orte beweißt, daß der hohe Vogelsberg schon vor vielen tausend Jahren, in der ältesten Steinzeit, seine Bewohner hatte, die in den wildreichen Jagdgründen des Oberwaldes als Jäger mit Bogen und Pfeil ihre Beute suchten. Wie ein Heiligtum bewahrte ich diese Pfeilspitze. Ist sie doch, so weit ich sehe, das älteste bis jetzt gefundene Zeugnis menschlichen Daseins im hohen Vogelsberg.

    Zu den archäologischen Urkunden der Vorzeit, die der Schoß der Erde uns aufbewahrte, gesellen sich in unserem Gebiete nun zahlreiche Berg- und Waldorte von so altertümlicher Physiognomie und mit Namen so altertümlichen und bedeutsamen gepräges, daß sie, zusammengehalten mit altüberlieferten, an diesen Orten spielenden Sagen unverkennbar heidnisch-mythologischen Ursprungs und mit vielen dort noch im Volke lebendigen abergläubischen Vorstellungen und damit zusammenhängenden Redensarten, Sitten und Gebräuchen als wertvolle Zeugnisse des vorgeschichtlichen Geisteslebens unserer Vorfahren betrachtet werden müssen. In manchen dieser Örtlichkeiten, wie zum Beispiel am "Wildfrauenhaus" bei Eschenrod und am "Teufelskopf" zwischen Köddingen und Ulrichstein verraten noch deutlich ihr Name und ihre äußere Gestalt, daß sie von Menschenhand hergerichtete, zweifellos zu Kultzwecken dienende Anhöhen gewesen sind vgl. Archiv für hessische Geschichte und Altertümer, Bd. X, S.219 f. und 273. In den "Lauterbacher Geschichtsblättern" Jahrg. I S.33 ff. habe ich den bis jetzt unwidersprochen gebliebenen Nachweis geführt, daß die mit "Alt" zusammengesetzen bzw. falsch verhochdeutschten Bergnamen unseres Gebietes, wie "Altenberg", "Altenburg", "Alterod", "Altenhain" von Haus aus mit dem Eigenschaftswort "alt" nichts zu tun haben, sondern auf eine in heidnischer Vorzeit da befindliche Alah = althochdeutsch alah, mittelhochdeutsch ale, got. alhs also einen heidnischen Opferplatz hinweisen.

  • Entscheidend waren dabei für mich folgende Beobachtungen und Erwägungen:

    1. Der Name "Alteberg" Auch Alteburg, Altehöhe, Altenhain, Alterod kommt im Vogelsberg und darüber hinaus so häufig vor, daß man dabei an eine appelative Bedeutung denken muß.

    2. Die Benennung eines Berges mit dem Eigenschaftswort "alt" hat keinen Sinn, da alle Berge geologisch angesehen, im Volksbewußtsein gleich alt sind.

    3. Auch die Annahme siehe Archiv für hessische Geschichte Bd. X, 3, S. 224, daß man diese Berge alt genannt habe wegen einer bestimmten altertümlichen Bedeutung derselben z.B. als Opfer- und Malplätze ist bestechend, aber sprachlich unmöglich. Denn es ist ganz ausgeschlossen, daß die ersten Anwohner solcher Berge, die diese ihre große Bedeutung zuerst erkannten und sich zu Nutze machten, diese Berge namenlos gelassen haben sollten und daß man sie erst später mit dem nichtssagenden Namen "alter Berg" benannt hätte.

    4. Die heutigen Alteberge Alteburgen usw. haben tatsächlich altertümlichen Charakter. Zum Teil zeigen sie heute noch Spuren vorgeschichtlicher Ringwälle und natürlicher und künstlicher Einfriedigungen, es finden sich in der Nähe vielfach altbedeutsame Flurnamen, und es spielen dort Sagen, die zweifellos mythologischen Ursprungs sind, so daß man mit Recht auf vorgeschichtliche Bedeutsamkeit dieser Berge und Höhen als Opfer- und Malplätze schließen muß.

    5. Es ist aber anzunehmen, daß die ältesten Anwohner dieser Berge, die ihre Bedeutung kannten und sich zu Nutze machten, sie auch mit einem Namen benannt haben und benennen wollten, der diese ihre Bestimmung und Bedeutung klar kennzeichnete.

    6. Als solches Bestimmungswort ergibt sich ungesucht das altdeutsche Appelativum a'ah sprich alach, gotisch ahls, das im Mittelhochdeutschen durch Verweichung der Gutturalis zu ala, ale wurde und wie das lateinische templum einen Kult- und Opferplatz bedeutet.

    7. Da man später nachweisbar schon im 12. Und 13. Jahrhundert die mundartliche Benennung der Berge als Alachberge oder Opferberge, wie das Volk sie heute noch nennt, nicht mehr verstand, verhochdeutschte man sie irrtümlich als Alteberge, Alteburgen usw., ganz ähnlich, wie man aus dem im Jahre 831 urkundlich bezeugten niederhessischen Dorf "Alahstat in pago Hassorum" schon 1244 ein "Aldenstetin", 1272 ein Aldenstede und neuerdings ein Altenstadt machte.

    Aus diesem Grunde dürfte es wohl einleuchten, wenn wir unsere heutigen "Alteberg", "Altehöhe", "Altenhain", und "Alterod" als ursprüngliche Alachberge und Alachhöhen ansehen, d.h. als Berge und Höhen, die man sich als Wohnung bestimmter Gottheiten dachte oder wo man bestimmten Gottheiten Opfer brachte.