Lateinische Sprachrelikte
im bayerischen Dialekt

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  • Die Teufelsmauer
    Quelle FJ Bronner Bayerisch Land und Volk in Wort und Bild 1910
  • Zwei Stunden westlich von Kehlheim beginnt (hart am linken Ufer des Donaustromes) die sogenannte Teufelsmauer. (Vgl. Hadrianssäule bei Hienheim!). Ein uralter Steinwall zieht sich zuerst zwischen Äckern die Anhöhe des Jura hinan und wendet sich dann durch den Hienheimner Forst. Wie auf einem Damm kann man fast eine Stunde lang in kerzengerader Richtung auf ihm dahinwandern.

    Freilich ist die Teufelsmauer auf der weitern Strecke nicht überall so gut erhlaten wie hier. An manchen Stellen sieht man nichts als ein Stück Aufwurf, Gestein in großen, unordentlichen Massen auch der Länge hin aufgehäuft, Es sind halt noch so Ranken, meinte ein Bauersmann. An vielen Plätzen ist überhaupt jede Spur verschwunden. Dies darf uns nicht wundern; denn die Teufelsmauer ist schon sehr alt. Ist es doch schon fast 2000 Jahre her, daß sie entstanden ist. Das ging so zu:

    Zur Zeit Christ waren die Römer das mächtigste Volk der Erde. Sie hatten fast alle Nachbarreiche unterjocht. Auch von unserem Bayern hatten sie das Land südlich der Donau erobert. Bald blühten römische Ansiedlungen oder Kolonien auf. Solche Orte römischen Ursprungs sind z. B. Pförring a. d. Donau, Weißenburg am Sand.

    Auch ließen sie feste Straßen anlegen. Noch heute werden mehrer derselben in unserem Vaterland gezeigt. Die Wälder ließen sie ausroden und dafür Obst- und Saatfelder anpflanzen. Die Römer wollten, die Donau sollte bleibende Grenze ihres Reiches sein. Im Norden von Donau und Jura wohnten aber kriegerische, deutsche Stämmee. Sie brachen öfters in das von den Römern eroberte Land ein. Da beschlossen die Römer, ihr neugewonnenen Land besser zu schützen. Der römische Kaiser Hadrian ließ quer durch die Wälder des Jura (mittels eingerammter, starker Pfähle und Verhaue (Palisaden)einen festen Erdwall mit vorgelegtem Graben herstellen. Dieses Befestigungswerk nannte man Limes oder Pfahlrain.

    Der Name des Kaisers Hadrian hat sich bis auf den heutigen Tag in einem kleinen Dörflein erhalten. Dieser Ort ist der Weiler Hadrians- oder Haderfleck im Donautale, ziemlich nahe der Stelle, wo die Teufelsmauer beginnt; er soll der alte vicus Hadriani sein.

    Einem Nachfolger Hadrians genügte das vorhandene Bollwerk nicht mehr. Noch fester und noch sicherer! scheint dessen Losung gewesen zu sein. Er ließ 2 m tief den Grund ausheben und dann einen mächtigen Steinwall aufwerfen, welcher über Mannsgröße hoch war. (Man darf sich also unter der Teufelsmauer keine regelrechte Mauer vorstellen, wie sie etwa die Ringmauer um die Stadt oder die Schutzmauer um den Friedhof etc. ist.) Von Strecke zu Strecke befanden sich niedrige Wacht- und Spähtürme in dem Walle. Wenn Gefahr drohte, so gaben sich von da aus die römischen Krieger und Wächter ihre Feuerzeichen. "Die Verteidigung geschah aber unmittelbar weder vom Walle noch von den Mauertürmen aus, sondern vielmehr von Kastellen oder kleinen Festungen aus, welche hinter dem Grenzwalle lage, erklärt der Forscher H. Arnold. In weitem Gürtel und in mehr oder minder großen Abständen zwischen sich deckten sie den Limes. In diesen Kastellen (als Rückenwehr) garnisonierten die Truppenabteilungen, welche die Wachen in die Spähtürme der Teufelsmauer abstellten. Solche Kastelle wurden durch eifrige Forschung und Nachgrabung bereits aufgedeckt bei Eining, Kipfenberg, Pfünz, Weißenburg a. S., Gunzenhausen. Letzteres war als Scheitelpunkt zweier Limesflügel ein besonders wichtiger Befestigungsort.

    Ein wohlgefügtes Straßennetz verband die Kastelle unter sich und mit dem Landesinnern. Das Schanzwerk reichte von der Donau bis zum Mittelrheine. Es ging über Berge und Täler, durch Flüsse, Sümpe und Wälder. Kein Hindernis der Natur konnte das Riesenwerk hemmen. In verhältnismäßig kurzer Zeit ward es vollendet.

    Das Volk, dem ein solches Werk über menschliche Kräfte zu gehen schien, meinte da müsse wohl der "Böse" seine Hand mit im Spiele gehabt haben. Es nannte das Werk deshalb die Teufelsmauer, und dieser Name und Reste des Werkes haben sich bis heute erhalten.

    Mitte Juni 1900 fand durch den Kaiser im Beisein etlicher Altertumsforscher auf der Saalburg bei Homburg v. d. H. (im Taunus) die Grundsteinlegung für das Reichslimesmuseum statt.

    Aberglaube und Veranlassung zu folgender Sage von der Teufelsmauer

    Der Satan bat einst den Schöpfer inständig, ihm doch ein Stücklein der Erde als Eigentum zu schenken. Gott Vater versprach, dem Wunsche zu willfahren, wenn der Satan eine Bedingung erfüllen könnte. Dieser war einverstanden und Gott Vater sagte also: Luzifer müsse es fertig bringen, ihn zwischen 11 Uhr nachts und dem ersten Hahnenschrei mit einer Mauer auf der Erde zu umschließen. Der Teufel fing sogleich zu arbeiten an; plagte sich, was er konnte. Bevor er aber fertig wurde, krähte der Hahn. Da ergriff den Satan eine furchbare Wut und voll Ärger war er sein Werk in Trümmer.
    Aus dem Werke "Die Altmühlalp" von Prof. Kugler