Wörterbuch
Steanoderin, Störnäherin, auf die Stör gehen
  • Meine Mutter ging unter und nach dem Krieg auch auf die "Stör" mit Maßband, Nadel, Faden, Kreide und Schere. Reich ist sie damit nicht geworden.
  • Quelle BR 11.09.09: Eine 'Steanoderin' nennen die Menschen in Altbayern eine Näherin, die zur Kundin ins Haus kommt und dort ihre Arbeit ausführt. Den Begriff 'Stea' gibt es auch im Hochdeutschen: Die 'Stör' ist eine Arbeit von Gewerbetreibenden, die sie im Hause des Kunden verrichten. Früher war das in der Zunftordnung nicht vorgesehen, daher der Name, eine STÖRUNG. Die zweite Worthälfte - 'Noderin' - ist eine Näherin, sie macht eine Naht, was im Dialekt 'Nod' heißt.
  • Wikipedia meint: Das Wort wird häufig aus dem Tätigkeitswort stören erklärt. Danach wäre die Stör ein Vorgang, der den Alltagsablauf stört. Diese Deutung ist wohl nicht richtig.
    Die Stör (im süddeutschen Raum seit dem 16. Jahrhundert bezeugt) ist eher nur eine Nominalableitung vom Ausübenden dieser Tätigkeit, dem Störr (Plural Större), wie er noch unter anderem im Lateinwörterbuch von 1741 als "Handwercks-Störr" und lateinisch als Operarius extradomesticus erklärt wird. Das Wort gehört danach zu der großen Wortgruppe starren, ‚steif sein‘, aber auch ‚steif werden‘, griechisch stereós von *sterewos. Der Storch hat mit Ablaut dieselbe Wortwurzel (von germanisch *sturka-). Der Vogel ist nach seinem stelzenden Gang benannt und die Större stolzierten zuweilen wohl auch wie die Störche einher. Störr wäre also ein Spott- oder Schimpfwort (vergleiche auch Landstörzer).
    Auf solche Wanderschaften begaben sich Schneider, Schuster, Zimmerer, Weißnäherinnen, Tischler, Fleischer, Kesselflicker, Messerschleifer, Brunngraber und Handwerker ähnlicher ambulant betriebener Gewerbe und minder angesehener Tätigkeiten, die ihr Handwerkszeug mit sich führen konnten.
  • Wohl von sterno = auf den Boden ausbreiten + nodus = Knopf
  • Quelle BR 22.01.09:"Umhouderer" heißen im Bayerischen Wald die "Handwerker, die auf der Stör sind", wie man so sagt, also die ins Haus kommen, um ihr Handwerk dort zu verrichten und vom Auftraggeber dann auch etwas zum Essen bekommen. Das Wort war früher üblich für die "Regelung, wie die Armen in der Gemeinde versorgt wurden": Die Armen gingen auf die "Umhoud", das heißt, sie waren jeden Tag in einem anderen Haushalt und wurden dort durchgefüttert.
  • Quelle Ostfr. Wörterbuch 03/2011:
    auf die Stör gehen Aussprache: af d’Steea gäi, af die Steer gäh
    Bedeutung: ins Haus kommen, um handwerkliche Tätigkeit zu verrichten. Satzbeispiel: Die Schneideri is auf di Steer kumma. "Die Schneiderin ist zu uns ins Haus gekommen"
    Herkunft: Handwerker, die nicht in ihrer eigenen Werkstatt arbeiteten, verstießen gegen die Regeln ihrer Zunft, sie 'störten' die Regel. Der Ausdruck wurde insbesondere auf den Besuch einer Hausschneiderin angewendet, die 'auf die Stör' kam.
  • MaB/at: Stea = Stör (Arbeit beim Kunden und nicht in Werkstätte, geregelter Handwerksbetrieb wurde gestört)

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